Tragen beugt Hüftschäden vor
Auszug aus einem Beitrag von Dr. Ewald Fettweis, Experte zum Thema Hüftdysplasie auf www.orthinform.de:
„Während der Schwangerschaft sind die Beine des Embryos um größtenteils über 90 Grad gebeugt. Die meisten Eltern kennen die Sonographiebilder ihrer Ungeborenen. Diese Beugung wird bis zum Ende der Schwangerschaft zunehmend stärker, bis das angeborene Kind die Beine schlicht nicht mehr weiter anziehen kann. Früher glaubte man, das fördere die Hüftverrenkung. Heute wissen wir: Diese Haltung ist für die Pfannenbildung äußerst günstig!
Die Geburt leitet die Streckung ein, die gegen Ende des ersten Lebensjahres im aufrechten Stand mündet. Die Entfaltung des kleinen Menschenpaketes müssen vor allem die Hüftgelenke „verkraften". Wenn hier die Pfannen nicht genügend gefestigt sind, kann der Hüftkopf langsam nach oben wegrutschen, bis hin zur völligen Ausrenkung. Wir müssen deshalb alles unternehmen, um nach der Geburt eine weitere Verfestigung der Pfannen zu erreichen.
Die Entwicklung geht nach Geburt der weiter. Der Mensch ist eine „physiologische Frühgeburt." Das Skelett eines Neugeborenen besteht zu einem großen Teil aus Knorpel. Für die optimale Entwicklung der Hüftgelenke ist eine Beugestellung der Beine am günstigsten. Ein Indiz dafür ist beispielsweise, dass bei den Völkern, in denen die Kinder größtenteils in einem Tragetuch dicht am Körper der Mutter getragen werden, Hüftverrenkungen quasi nicht vorkommen.
Wenn die Kinder im Tragetuch sitzen, werden ihre Beine um 90 Grad oder mehr gebeugt, nur mäßig abgespreizt und können nicht gestreckt werden. Dabei drückt die Muskulatur zentral über den Hüftkopf in die Pfanne, und es entsteht im knorpeligen Anteil des Gelenkes ein hydrostatischer Druck, der die Verknöcherung fördert. Bei gefährdeten Kindern — das sind diejenigen, bei denen in der Familie bereits Luxationen vorgekommen oder die in reiner Steißlage, also mit gleichzeitig gestreckten Kniegelenken (etwa 60% der Steißlagen) auf die Welt gekommen sind -empfiehlt sich ein „breites Wickeln": Nach Anlegen der ersten „normalen" Windel legt man eine zweite Papierwindel, wie man sie gefaltet aus der Packung nimmt, quer zwischen die Oberschenkel des Kindes und zieht darüber eine gut sitzende Strampelhose. Ideal wäre es, wenn die Babys möglichst häufig in entsprechenden Tüchern getragen würden. Die Hüftgelenke des Neugeborenen sind für das Reiten auf der Hüfte konstruiert. Die knöchernen Winkel am oberen Oberschenkelende gewährleisten eine optimale Einstellung der Hüftköpfe in die Pfannen. [ ... ]. Der Rücken leidet nicht durch das Tragen, eher tut dies der Entwicklung der Wirbelsäule gut.
Mit freundlicher Genehmigung von:
Dr. Ewald Fettwels, Aachen, www.hueftgelenkdysplasie.de














